Die meistgelesene Seite der Dokumentation ist entweder die beste oder die kaputteste. Die Zahl sagt nicht, welche von beidem.
🔎 In der Praxis
Eine Folie im Jahresbericht: Aufrufe der Dokumentation, deutlich über Vorjahr. Alle nicken, die Folie ist durch. Woher der Anstieg kommt, steht nirgends — ob mehr Leute die Seiten hilfreich fanden, oder ob im Frühjahr eine Funktion umgebaut wurde und seitdem alle nachschlagen müssen, wie sie jetzt geht.
💡 Die Logik dahinter
Aufrufe sind leicht zu erheben, deshalb sind sie überall. Sie zählen Zugriffe, keine Ergebnisse. Eine Seite wird geöffnet, weil jemand etwas nicht weiß. Ob die Person es danach weiß, steht in keiner dieser Zahlen. Zuverlässig zeigen steigende Aufrufe genau eins an: dass mehr Leute eine Frage hatten.
⚠️ Der blinde Fleck
Der Fehler passiert vor der Messung. Wer Aufrufe zählt, hat entschieden, dass Lesen der Zweck der Dokumentation ist. Der Zweck ist aber, dass jemand weiterkommt. Eine Seite, die in zwanzig Sekunden erledigt, wofür sie geöffnet wurde, hat ihre Sache getan — und erzeugt dabei die kurze Verweildauer, die im Bericht als schwaches Ergebnis steht.
🔄 Der Perspektivwechsel
Solange niemand ausspricht, wofür die Dokumentation zuständig ist, beantwortet das Auswertungswerkzeug die Frage. Es kennt nur eine Größe: Zugriffe. Wer Dokumentation mit Aufrufzahlen verteidigt, übernimmt diese Antwort — und liefert das Argument gleich mit, mit dem später gekürzt wird. Denn dieselbe Zahl fällt auch, wenn die Arbeit wirkt.